Politische Bildung
Politische Bildung rückte im BDP der siebziger Jahre, als man sich von der neutralen und unpolitischen Haltung der traditionellen Pfadfinderei verabschiedet hatte, ins Zentrum der Aufmerksamkeit und Aktivitäten.
Politische Bildung darf nicht mit Parteipolitik verwechselt werden. Sie beinhaltet vielmehr die Aufklärung über gesellschaftliche Zusammenhänge, historische und soziale Hintergründe, öffentliche Angelegenheiten, Machtstrukturen und somit all das, was man an Informationen und Wissen braucht, um das gesellschaftliche Leben verstehen und auch durch Aktionen beeinflussen zu können.
Bis heute ist uns im BDP die politische Bildung ein zentrales Anliegen. Die Bedingungen und Formen der traditionellen und direkten politischen Einflußnahme des BDP durch Camps und Aktivitäten, wie in der sozialen, der Anti-Atomkraft-, der Friedensbewegung und der neuen Frauenbewegung, haben sich über die Jahre weiterentwickelt.
Internationale und interkulturelle Arbeit
Der BDP begreift internationale und interkulturelle Arbeit als einen Teil seiner täglichen Aktivitäten. Der Umgang mit den Fremden ist heute verstärkt geprägt von Angst und Vorbehalten.
Diese bewusst zu machen, kritisch zu hinterfragen und abzubauen ist wichtigstes Ziel.
Im täglichen Miteinander und im internationalen Jugendaustausch setzt sich der BDP gegen Diskriminierung und Benachteiligung ein.
Der Grundgedanke internationalen Austauschs ist die Herstellung und Pflege des persönlichen Kontakts und die konstruktive Auseinandersetzung mit den Gemeinsamkeiten und Unterschieden anderer.
Dies erfolgt klassischerweise durch die "Große Fahrt" oder durch die vielfältigen internationalen Jugendbegegnungen im In- und Ausland. Durch Aufarbeitung der gemachten Erfahrungen ergibt sich die Chance, einen kritischen Umgang mit der eigenen Kultur zu entwickeln.
Kinder- und Jugendgruppen
Selbstbestimmen macht Spaß- dieses Motto des BDP stellt immer wieder eine Herausforderung dar. Wir unterstützen Kinder- und Jugendliche dabei, einen eigenen Lebensweg zu finden. In der Gruppe lernen sie, Interessen zu formulieren, gleichberechtigt Entscheidungen zu treffen, und gemeinsam gesteckte Ziele zu verwirklichen. Die Eigenarten jedes/jeder Einzelnen zu verstehen und zu akzeptieren, Vertrauen, Geborgenheit und Offenheit sind Lernziele und schaffen die Voraussetzung, um persönliche Fragestellungen, Themen und Probleme zu diskutieren. Neben regelmäßigen Gruppenstunden gibt es auch gemeinsame Fahrten und Freizeiten.
In der Kinder- und Jugendgruppenarbeit gibt es drei verschiedene Arbeitsansätze:
Die freie Gruppenarbeit
Im Mittelpunkt steht das Interesse, sich zu treffen und etwas gemeinsam zu unternehmen. Prägend sind der Cliquen-Charakter und der Wunsch nach gemeinsamer Freizeitgestaltung.
Themenorientierte Gruppenarbeit
Die Gruppe findet sich über ein gemeinsames Interessensgebiet und arbeitet an einem Thema.
Medienorientierte Gruppenarbeit
Hier gibt es Foto-, Video-, Computer-, Musikgruppen, bei denen das Interesse am jeweiligen Medium im Mittelpunkt stehen.
Mädchen- und Jungenarbeit
Der Forderung nach Gleichberechtigung und der Anerkennung der Differenz in gleichem Maße gerecht werdend, arbeitet der BDP neben koedukativen Ansätzen bewußt und gezielt in geschlechtsgetrennten Gruppen und mit geschlechtsspezifischen Methoden. Feministische Mädchenarbeit sowie emanzipatorische Jungenarbeit können und dürfen allerdings nicht nur im isolierten Freiraum stattfinden. Auch in der koedukativen Arbeit müssen sich alle in der Kinder- und Jugendarbeit Tätigen mit der geschlechtsspezifischen Sozialisation und der eigenen Rolle als Frau oder Mann auseinandersetzen.
Ziele der emanzipatorischen Jungen- und Mädchenarbeit sind:
- Individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für Mädchen und Jungen, unabhängig vom gesellschaftlichen Rollenbild, zu bieten
- Mädchen und Jungen in ihrer Identitätsfindung zu unterstützen
- Gesellschaftliche Normen und Rollenzuweisungen aufzuweichen
- Reflexionsraum für Mädchen und Jungen zu bieten
Ökologie
Ökologie ist kein Thema, dem man sich nur vor dem Hintergrund relativen Wohlstands widmen kann.
Es geht darum, die Erde für heutige und künftige Generationen mit ihrer Artenvielfalt von Flora und Fauna zu erhalten und im Rahmen des Möglichen den Regenerationsprozeß des Ökosystems Erde zu unterstützen. Dazu ist es notwendig, sich mit der Natur in allen Lebensbereichen verantwortungsbewußt auseinanderzusetzen.
Stadtteilarbeit und Sozialarbeit
In langjähriger pädagogischer Arbeit zeigte sich immer deutlicher, dass soziale Beziehungen, Lebensbedingungen und Lebensräume in die pädagogische Praxis einbezogen werden müssen. Zunehmende Entfremdung und fehlende Identifikation mit dem Lebensraum führt zu sozialer Isolation und Verunsicherung. Rückzug ins Private, passive Konsumhaltung, Aggression und Gewalt sind Auswirkungen davon.
Eine aktive, gemeinschaftliche Gestaltung ermöglicht hingegen die kritische Identifikation mit dem Lebensraum und seinem sozialen Gefüge. In Projekten der "Spurensicherung" fördert der BDP die Erschließung der lokalen Geschichte und Gegenwart und ermutigt zu Gesprächen zwischen den Generationen. Durch die Mitwirkung in Bürgerinitiativen, an der Kinder- und Jugendhilfeplanung, mit Zeitungs- und Theaterprojekten, sowie bei Stadtteil- und Dorffesten setzt sich die Verbandsarbeit mit dem öffentlichen Leben auseinander und gestaltet es mit.
Dem ganzheitlichen Ansatz entsprechend, bildet die Sozialarbeit einen Teil interdisziplinärer Zusammenhänge mit Gemeinwesen- und Stadtteilarbeit.
Die Sozialarbeit des BDP umfasst folgende Schwerpunkte:
- betreutes Jugendwohnen
- ambulante Erziehungshilfe
- Behindertenprojekte/Wohntrainingsgruppen
Kultur
Kulturarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des BDP. Sie trägt durch ihre Produktions- und Arbeitsprozesse zu einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung wesentlich bei - durch die Einbeziehung des Verstandes, des Körpers, der Gefühle und der Sinne.
Kulturarbeit im BDP bedeutet, Freiräume zu eröffnen und zu erhalten, um eingefahrene Denk- und Handlungsspielräume zu erweitern. Es sind Probierfelder, in denen mit Ausdrucksformen eigenständig experimentiert werden kann und durch welche über das Probehandeln hinaus individuelle und kollektive Mitgestaltungs- und Handlungskompetenzen für das gesellschaftliche Leben gefördert werden.
Eine Besonderheit der Kulturarbeit ist die Präsentation sichtbarer Ergebnisse. Sie schafft Selbstvertrauen, markiert einen Standpunkt und lädt zu Auseinandersetzungen ein. Damit wirkt Kulturarbeit auch in das echte Leben hinein. Sie macht neugierig und stellt eine Öffentlichkeit für Inhalte und Meinungen her.
